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Mehr als ein Märit

Schon eine halbe Stunde vor der Eröffnung ist der Generationenmärit erleuchtet. Stände werden noch aufgebaut und eingerichtet – und nur wenige Minuten später pulsiert bereits das Märitleben. Ein Ort, an dem Kunst, Gespräche und Lebenswelten aufeinandertreffen. Die Stimmung hat Rebecca Horner in dieser kurzen Reportage eingefangen.

Samstag, 13. September 2025 Rebecca Horner (24)Mehmet Gökmen (40)
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Reporterin unterwegs: Rebecca Horner, Autorin von UND Generationentandem, hier mit ihrer Mutter. – Bild: Mehmet Gökmen

Der Generationenmärit beginnt leise: ein paar Standbetreuer:innen, die Schilder aufstellen, Stände, die noch halb leer sind. Doch nur zehn Minuten später füllt sich der Platz, Stimmen mischen sich unter die Musik, die von den Bühnen her ertönt, erste Begegnungen entstehen. Eine Frau bittet mich, ihr beim Einscannen eines QR-Codes zu helfen. Jugendliche diskutieren angeregt beim Stand der Netpathie. Familien mit Kindern, Gruppen von Senior:innen und neugierige Einzelne ziehen durch die Gassen – die Stimmung ist lebendig, herzlich und offen.

Nicht alle bleiben bei den Marktständen, viele werden von den künstlerischen Darbietungen angezogen. Doch gerade die Stände laden dazu ein, gesellschaftliche Themen zu entdecken, über die man sonst kaum spricht. Der Generationenmärit zeigt, wie unterschiedlich die Lebenswelten von Generationen sind – und wie wertvoll es ist, sie zu verbinden.

wohnenUNDleben

Beim Stand von wohnenUNDleben, einer Projektgruppe von UND Generationentandem, geht es um eine Frage, die uns ein Leben lang begleitet: Wie möchte ich wohnen und leben? Besucher:innen staunen über unterschiedliche Wohnprojekte: vom Holzhaus im Emmental mit grossem Garten bis zum «Stuckimatte» in Steffisburg, wo Energien aus einem Warmwassertank gewonnen werden. Thomas, Mitglied der Projektgruppe wohnenUNDleben, sagt: «Ich würde sofort einziehen.»

Wie wollen wir eigentlich wohnen und leben? Am Stand von wohnenUNDleben kommen Menschen über genau diese Frage ins Gespräch. – Bild: Lena Rattaggi

Generationenwohnen unterscheidet sich vom klassischen Alterswohnen: Hier leben Menschen von 0 bis 95 Jahren zusammen. Pflege ist nicht der Hauptfokus, aber Unterstützung entsteht selbstverständlich – wie beim 95-Jährigen im Holzhaus, für den die Nachbar:innen kochten. Rückzug ist genauso wichtig wie Gemeinschaft. Begegnung ja, aber immer freiwillig.

SILEA – Barrieren abbauen durch Begegnung

Auch die Stiftung SILEA zeigt, wie Zusammenleben gestaltet werden kann. An ihrem Stand begegnen sich Menschen mit und ohne Behinderung – beim Spielen oder über unterstützte Kommunikation mit Piktogrammen. «In unseren Köpfen gibt es fast am wenigsten Barrierefreiheit», sagt Gabriela Stähli, Abteilungsleiterin «Wohnen». Klischees löst man nur auf, wenn man sich wirklich begegnet.

Barrieren abbauen, insbesondere in den Köpfen. Darüber spricht Rebecca Horner mit Gabriela Stähli von der Stiftung SILEA. – Bild: Mehmet Gökmen

Die SILEA arbeitet seit Jahren mit dem UND Generationentandem zusammen. So sind mehrere Mitarbeiter:innen mit Behinderung nicht nur in der SILEA tätig, sondern zwischendurch auch in der Gastronomie des Begegnungszentrums Offenes Höchhus.

Das Ziel der Stiftung SILEA: Menschen mit Behinderungen mehr Selbstbestimmung zu ermöglichen – beim Wohnen, im Arbeitsmarkt und in der Freizeit. «Die Barrieren liegen oft in der Gesellschaft», sagt Gabriela Stähli. «Wie offen bin ich, wie viel lasse ich zu?»

Netpathie – digitales Bewusstsein stärken

Besonders beliebt ist der Stand der Netpathie, gleich neben den Infoständen von UND Generationentandem. Dort können Besucher:innen testen, ob sie digitale Beobachter:innen, Enthusiast:innen, Anwender:innen oder Mitgestalter:innen sind. Auffällig ist, dass gerade ältere Menschen und Kinder viele Fragen stellen – und mitdiskutieren.

– Bild: Mehmet Gökmen

Das Thema «digitales Bewusstsein» betrifft alle Generationen. Respekt im Netz bedeutet Respekt im Leben: «Wir gehen auch digital so miteinander um, als würden wir uns in die Augen schauen.» Workshops fördern den Austausch über Chancen und Risiken im Netz – und über mentale Gesundheit.

Mehr als ein Märit

Der Generationenmärit ist nicht nur ein Ort zum Flanieren. Er ist ein Ort des Dialogs, an dem Grenzen verschwimmen – zwischen Jung und Alt, mit und ohne Behinderung, digital und analog. Begegnungen werden hier nicht inszeniert, sondern gelebt.

Beitrag von:

Rebecca Horner (24)

Ich interessiere mich für diverse gesellschaftliche Themen. Seit Herbst 2024 in der Kernredaktion im UND-Generationentandem.

Mehmet Gökmen (40)

Erstellt aktuell die neue Webseite von UND Generationentandem im Rahmen seines Praktikums bis Ende September. Ich habe im Bereich der digitalen Forensik gearbeitet, und Computer sowie Technologie waren schon immer meine Interessen. Als Hobby fotografiere ich gerne die Natur und unternehme Spaziergänge in der Natur, was mir Ruhe und Freude bringt. Außerdem schreibe ich Inhalte für Wikipedia und unterstütze den Wissensaustausch. Ich habe einen Sohn, und es ist eines meiner größten Ziele, ihm und allen Kindern eine gerechte und lebenswerte Welt zu hinterlassen. Gelegentlich unterstütze ich Projekte in den Bereichen Politik und Menschenrechte, um einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten.

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2 Responses to “Mehr als ein Märit”

  1. Peter Adolf Rubin 14.09.2025
    Antworten

    Ich bin 90-jährig, leide an Fatigue-Syndrom, bin total immobil und an einen E-Rollstuhl angewiesen. Leider ist das Areal dafür ungeeignet. Ich fand nirgends einen Hinweis. Die mich interessierenden Stände konnte ich nicht besuchen und musste das Festival nach einigen Schwierigkeiten enttäuscht verlassen.

    14.09.2025 at 18:34
    • Rebekka Flotron 14.09.2025
      Antworten

      Guten Abend! Vielen Dank für diesen Kommentar. Es tut uns leid, dass sie keine guten Erfahrungen gemacht haben am Generationenfestival. Das Seefeldareal gilt grundsätzlich als barrierefrei, aber wir verstehen, dass der Belag nicht ideal ist.

      14.09.2025 at 19:30

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079 836 09 37
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