Stimmen, Hämmern, Schritte, hin und wieder Möbelrücken: Wer an diesem Samstagnachmittag im Höchhus die Treppe zum Dachstock hochsteigt, staunt beim Eintreten: Weisse Stellwände verdecken die vertrauten Dachbalken und strukturieren den grossen Raum. Der Veranstaltungsort hat sich in eine Galerie verwandelt, damit die Sammlung Suter ihre jährliche Ausstellung zeigen kann. Die 16. Ausstellung im Höchhus ist den Künstlern Victor Surbek, Fred Stauffer und Arnold Brügger gewidmet.

Die 16. Ausstellung entsteht im Dachstock
Der gesamte Vorstand des Fördervereins und sogar einer der 10 Urenkel des Sammlerpaares legt Hand an. Die Werke gemäss ausgedrucktem Plan an die Stellwände halten, mit der Wasserwaage die Ausrichtung kontrollieren, ein prüfendes Zurückstehen und dann: «Mou, das isch guet».

Ein Bild hat noch nicht die geeigneten Haken. Auf der Rückseite die Zange ansetzen und wieder in den Werkzeugkasten verräumen: «Das nehme ich mit ins Atelier», sagt Vorstandsmitglied Patrizia Zeppetella und wickelt ein Gemälde in schützende Noppenfolie.

Sie seien seit kurz vor acht Uhr an der Arbeit, berichtet Simona Arnaldi, jüngste Enkelin des Sammlerpaares. Die Ausstellung hat bereits Gestalt angenommen. Einzelne Bilder fehlen noch, ebenso die Beschriftung und der letzte Schliff. Doch alles sei wie immer minutiös vorbereitet. Bereits vor einiger Zeit und noch gemeinsam bestimmten ihre Grosseltern Thema, Bilderauswahl und Hängung. Arbeiter des gemeindeeigenen Werkhofs montierten vor zwei Tagen alle Stellwände und trugen die gewohnte Sitzecke hoch.
Seitdem die Sammlung nicht mehr im Wichterheergut in Oberhofen ausgestellt ist, lagern die Werke das Jahr über in Steffisburg, im klimatisierten Depot des Gebäudes der Gemeindeverwaltung Steffisburg. Der Transport ins Höchhus erfolgt unkompliziert im Auto, ohne Klimaboxen oder Sicherheitsbegleitung. Der wahrscheinlich wichtigste Wert dieser bedeutenden Sammlung mit Schwerpunkt spätexpressionistischer Werke aus dem Kanton Bern ist die Begeisterung des Ehepaars Suter für das Können befreundeter Künstler:innen, in ihrer Verbundenheit mit der Region und in ihrer Freude am Sammeln.
Kunstwerke verbinden Generationen
Der betagte Sammler kommt hinter einer Bilderwand hervor. Nach einer kurzen Begrüssung folgt sofort eine Art Generationentalk über Künstler:innen, Gemälde, Farben, Begegnungen und die Schulzeit am Berner Gymnasium Kirchenfeld. Die Turnhalle, auf dem blautonigen Gemälde von Victor Surbek, war für Alt und Jung vertraut und prägend – wobei: Seit Hans Suters und Surbeks Schulzeit wurde die Monbijoubrücke gebaut. Deswegen hat das «junge» Gegenüber den Bildausschnitt etwas anders in Erinnerung.

Er sei glücklich, dass sein ältester Enkel, Fabian, und seine jüngste Enkelin, Simona, nun die Aufbauarbeit übernommen hätten. Die Übergabe sei ihm gar nicht schwergefallen; im Gegenteil, er sei erleichtert und auch glücklich zu sehen, dass die beiden sich gerne in die neue Aufgabe einbringen.
Hans Suter strahlt Ruhe und grosse Freude aus. Für ihn und seine kürzlich verstorbene Frau Marlis waren die Konzeption von Sammlung und Ausstellungen eine gemeinsame Leidenschaft. Sie wussten beide, unabhängig voneinander, was in die Sammlung passt und was dem anderen bestimmt auch gefallen wird, denn: «Wir hatten den gleichen Geschmack.» Diese und auch die kommenden Ausstellungen haben sie noch gemeinsam bis ins kleinste Detail geplant.

Die Hängung – viel mehr als aufhängen
Das Planen der Ausstellung am Bildschirm ist eines. Wenn dann aber die Gemälde am angedachten Ort hängen, ergibt sich doch noch die eine oder andere Änderung: «Dieses schwere Bild gleich als Blickfang beim Eintreten, das passt nicht, lieber was Helles, Leichtes in die Ecke», meint Simona. Die Beleuchtung der Bilder ist im realen Raum dann doch nicht immer optimal. Für ein eher düsteres Bild braucht es einen besser geeigneten Platz.

Auch eine Auslage in der Vitrine verändert Simona. Sie führt ihren «Ätti» hin und erwartet sein Urteil: «Das hast du prima gemacht. Schau, hier auf diesem Bild schaut dieser nach rechts und sie im Porträt schaut nach links», sagt Hans Suter, und schüttelt seiner Enkelin anerkennend die Hand.
Sammlerfreuden – ein Leben lang
Die Kunstleidenschaft bestimmte ihr Leben zu weiten Teilen, erzählte Hans Suter im Gespräch mit Brigitta Ingold. Zuweilen unterbrach der Dermatologe Hans Suter seine Sprechstunde, wenn bei Dobiaschowsky eine Auktion lief. Die Patient:innen mussten kurz warten, wenn er ihnen beschied: «Ich werde nebenan am Telefon verlangt.» Ein spitzbübisches Lächeln erscheint heute auf seinem Gesicht bei der Erinnerung. In einer Auktion mitbieten bis zu einer abgesprochenen Preislimite oder in einer verlassenen Kammer eine achtlos hingeworfene Lithografie von Victor Surbek entdecken, das seien Glücksmomente gewesen. Heute kaufe er nicht mehr zu. Heute geht es darum, die Schätze zu zeigen und andere Menschen teilhaben zu lassen.
Der letzte Schliff bis zur Vernissage
Am Dienstag wird die Beschriftung angebracht, jeweils rechts unter dem Bild. Nein, geklebt werde nicht, dafür brauche er den bewährten grauen Chätschgummi, meint Hans Suter – und seine Augen funkeln.
Die Vernissage für die Ausstellung vom 31.8. – 28.9. 2025 «Victor Surbek, Fred Stauffer, Arnold Brügger»findet am Samstag, 30. August 2025, im Saal der Kirche Glockental in Steffisburg statt. Auch für die Vernissage ist alles vorbereitet: Fabian sorgt für das leibliche Wohl der Gäste, Simona wird sprechen und dem Publikum die Gedanken der Grosseltern in ihren Worten vortragen.

