Schon 2017 stellte sich die Frage, wie UND Generationentandem bekannter werden könnte. «Wir wollten Leute anziehen, die sonst nicht bei uns mitmachen würden», erzählt Annemarie. Zwei Jahre zuvor, im Sommer 2015, versuchte es der Verein mit einer besonderen Aktion: einer Tandem-Velo-Tour durch den Kanton Bern. Stationen waren unter anderem Burgdorf, Aarberg, Murten, Bern, Köniz, Münsingen, Spiez, Interlaken und Brienz.
Für Annemarie war diese Reise prägend. Der direkte Kontakt mit Menschen motivierte sie, vom passiven zum aktiven Mitglied zu werden. Doch trotz der positiven Begegnungen brachte die Tour nur wenige neue Interessierte. Die entscheidende Frage blieb: Wie erreicht man mehr Menschen?

Die Antwort lautete: mit einem Festival. Es sollte Begegnungen zwischen Generationen ermöglichen – und UND Generationentandem auch jenen näherbringen, die bisher noch keinen Bezug zum Verein hatten. Als Termin wählte man bewusst den September: Die grossen Festivals sind vorbei, das Wetter oft noch mild. «Immerhin ist es noch nie komplett ins Wasser gefallen», erinnert sich Annemarie.
Der Anfang des Generationenfestivals
Beim ersten Anlass halfen rund 30 bis 40 Personen – deutlich weniger als heute. Der Aufwand war riesig. «Schaffen, schaffen, schaffen», beschreibt Annemarie den Ablauf. Doch die Mühe lohnte sich: 2500 Besucher:innen kamen. Das Festival erreichte sein Ziel – und machte UND Generationentandem weit über die eigenen Reihen hinaus sichtbar.

Nach dem Kraftakt erklärten die Helfer:innen zwar, man könne ein solches Festival kein zweites Mal stemmen. Doch zwei Jahre später überwog die Freude an den Erinnerungen – und das Generationenfestival feierte seine Fortsetzung.
Vom Senioren- zum Generationenmärit
Eine weitere Entwicklung betrifft den Generationenmärit. Ursprünglich ging er aus dem Seniorenmärit hervor, den der Seniorenrat bis 2019 jeweils auf dem Rathausplatz organisiert hatte. Mit dessen Auflösung wanderte der Märit ins Generationenfestival – und veränderte seinen Charakter.

Während sich der Seniorenmärit ausschliesslich an ältere Menschen richtete, will der Generationenmärit alle ansprechen. Nicht Produkte stehen im Vordergrund, sondern Organisationen, die sich für die Gesellschaft engagieren. Heute reicht die Vielfalt der Stände von Angeboten für Kinder über Initiativen für Erwachsene bis hin zu Projekten für Senior:innen – ein Wandel, der sich über mehrere Jahre vollzogen hat.
Besondere Erinnerungen
Annemarie, die in der Künstler:innenbetreuung aktiv war, denkt gerne an die Begegnungen hinter den Kulissen zurück. «Viele der Künstler:innen kannten sich bereits aus der Thuner Szene und interessierten sich sehr füreinander.» Besonders eindrücklich sei das verregnete Festival im letzten Jahr gewesen: Während sich das Publikum ins Trockene zurückzog, unterhielten sich die Künstler:innen in mehreren Sprachen – Deutsch, Englisch, Französisch.

Die Resonanz war durchwegs positiv. «Im Grossen und Ganzen hat es ihnen alles gepasst», fasst Annemarie zusammen.
Wie das Festival Generationen verbindet
Das Programm ist bewusst vielfältig: von Musik für ältere Generationen bis zu Poetry Slams oder Acts für ein jüngeres Publikum. Dadurch öffnen sich viele für Neues. Ein älterer Bekannter von Annemarie war überrascht, wie sehr ihn der Poetry Slam begeisterte.

Besonders sichtbar wird die verbindende Kraft bei den Familien: Kinder kommen mit Eltern, Geschwistern oder Grosseltern – manche auch allein. «Das Generationenfestival ist eine Super-Sache für die Gesellschaft», sagt Elias. «Eigentlich sollte es so etwas auch anderswo geben.»
Blick in die Zukunft
«Kunst ist es, eine Wiederholung zu machen, die sich nicht wie eine Wiederholung anfühlt», sagt Elias. Gemeint ist: Ein gutes Festival lebt von Kontinuität und zugleich von Wandel.

Die Organisation entwickelt sich stetig weiter, Abläufe werden effizienter. Doch das Herzstück bleibt dasselbe: Freiwillige, die gemeinsam «eine Riesenkiste machen», wie Elias es ausdrückt – und damit Jahr für Jahr ein Fest schaffen, das weit über Musik und Programm hinausgeht.
