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Freundschaften dürfen entstehen und auch wieder vergehen.

Evergreens besingen sie, die alten Griechen beschäftigten sich mit ihr, heute gibt es Facebook. Doch was ist Freundschaft? Ein Vortrag des Professors Helmut Bachmaier hilft bei der Spurensuche.

Freitag, 10. November 2017 Gaby Jordi (75)
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Was ist der Wert der Freundschaft? Ein Referat gibt Aufschluss. – Bild: Pixabay

«Ein Freund ist das beste, was es gibt auf der Welt…». Mit den Worten aus einem Evergreen der «Comedian Harmonists» heisst der Referent seine Gäste willkommen. Am 3. November füllt sich der «Cave», der Gewölbekeller des Tertianums Thun, mit ZuhörerInnen gemischten Alters. Das Thema «Wert der Freundschaft» scheint zu interessieren.

Bereits in der Antike beschäftigten sich die griechischen Philosophen intensiv mit dem Thema «Freundschaft». Der Weg führt nicht an Aristoteles und Epikur vorbei. Bis ins 17. Jahrhundert bestand sprachlich zwischen Verwandtschaft und Freundschaft kein Unterschied. Später wurden die beiden Begriffe unterschiedlich definiert. Freundschaft ist nicht ritualisierbar. Dies im Gegensatz zur Verwandtschaft, in die wir hineingeboren werden, die von Ritualen (zum Beispiel Heirat, Taufe, Weihnachtsfeiern und so weiter) lebt. Freundschaften orientieren sich am Dialog. Sie basieren auf einer auf Vertrauen und Sympathie aufgebauten Verbindung.

Der Referent vertieft das Thema mit Zitaten:

Die Freundschaft tanzt den Reigen um die Welt und ruft uns allen zu, aufzuwachen zum Preise des glückseligen Lebens.

Epikur (341 – 271 vor Christus)

Bei den alten Griechen galt Freundschaft als wichtiger Teil auf dem Weg zum Glück. Die folgenden drei Elemente waren dabei zentral:

  • Schmerzfreiheit
  • Freundschaft
  • Angstfreiheit

Wer ständig in Angst lebt, kann nicht glücklich sein. Freundschaft ist die Entscheidung für jemand anderen. In eine Freundschaft begeben wir uns freiwillig und wir gestalten sie frei. Geht ein Leben zu Ende, kann Freundschaft Gedenken leisten. Sie beinhaltet das physische Leben, wie auch den physischen Tod – die Erinnerung. Das Totengedenken ist die edle Aufgabe der Freundschaft.

Wirklich gute Freunde sind Menschen, die uns ganz genau kennen und trotzdem zu uns halten.

Marie von Ebner-Eschenbach(1830 – 1916)

In einer Freundschaft können wir uns spiegeln, dürfen erkennen, wer wir selber sind.

Zuerst wahrnehmen

Was braucht es für eine Freundschaft? Zuerst einmal müssen wir eine Person in ihrer Existenz wahrnehmen, überhaupt merken, dass sie da ist. Wir erlauben einander gegenseitig in die Privatsphäre einzudringen – zugleich müssen aber Grenzen respektiert werden. Eine Freundschaft ist auf längere Dauer angelegt. Sie basiert auf sozialer Gleichheit oder, wie es Aristoteles formulierte, auf Gegenliebe, Wohlwollen und Gesinnungsgleichheit.

Unverträglicher Geiz

Aus blossen Vorteilsgedenken erwächst keine Freundschaft. Nicht äusserer Zwang um irgendwelcher Vorteile willen, sondern freier Wille ist die Grundlage der Freundschaft.
Marcus Tullius Cicero (106 – 43 vor Christus):

Was Freundschaft nicht verträgt, sogar ausschliesst, sind Ruhmsucht, Geldgier und Geiz.

Freundschaft fördert die Hoffnung auf Zukunft. FreundInnen neiden einem nicht das Glück. FreundInnen machen Mut, helfen einem das Leben zu gestalten. Freundschaften dürfen entstehen und auch wieder verschwinden. Wie eine Kerze, die ausbrennt oder wie ein Reissverschluss, der sich ausklinkt.

Auch im Alter seien Freundschaften wichtig, betont Professor Bachmaier. Er weist darauf hin, dass sie dazu beitragen, ein positives Altersbild zu entwickeln und zu leben. Oder anders ausgedrückt: Wer sich im Alter keine Aufgabe gibt, gibt sich selbst auf! Freundschaften pflegen kann eine Aufgabe sein.

Zurück in die Gegenwart

Zum Schluss gelingt der Sprung zurück in die Gegenwart  – ins Zeitalter von Facebook und Co. …

Facebook hilft, mit FreundInnen in Kontakt zu bleiben, die wir auch im echten Leben kennen. Mehr nicht. Wer glaubt, dass jeder Facebook-Kontakt ein Freund ist, der weiss nicht, was Freundschaft bedeutet. Mark Zuckerberg


Zur Person

Professor Helmut Bachmaier lehrt und forscht an der geisteswissenschaftlichen Sektion der Universität Konstanz. Neben verschiedener Gastprofessuren ist er als wissenschaftlicher Berater und Stiftungsrat der TERTIANUM-Stiftung tätig. Helmut Bachmaier ist ausserdem Mitbegründer der Kulturgerontologie, einer kulturwissenschaftlich ausgerichteten Altersforschung.

Helmut Bachmaier ist auch auf Youtube zu finden. Hier ein Beispiel.

Beitrag von:

Gaby Jordi (75)

Kaufmännische Angestellte, pensioniert. Versucht stets, sich ein Stückchen Himmel über ihrem Leben freizuhalten.

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