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Mit den Urban Sketchers unterwegs – Augenschmaus und Seelenfutter

Das Kunstmuseum Thun und UND Generationentandem konnten sich mit den Urban Sketchers Thun zum gemeinsamen Zeichnen im Schadau-Park Thun treffen. Der Nachmittag wurde zum Raum der Begegnung, der Kreativität und der Freude an den Werken. Künstlerisches Tun kennt weder Alters- noch Sprachbarrieren. Das Verbindende, die Gemeinschaft und die Offenheit füreinander konnten wir an einem prachtvollen Herbsttag in vollen Zügen geniessen.

Mittwoch, 03. November 2021 Marianne Scheuter (71)Ayana Germann (20)
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Eine bunte Schar von zeichnungsfreudigen Menschen versammelt sich am frühen Sonntagnachmittag vor dem Thun Panorama zum gemeinsamen Zeichnen. Die Urban Sketchers erkennt man von Weitem. Sie sind mit kleinen Klappstühlen und Skizzenbüchern unter dem Arm unterwegs. Alle anderen, MuseumsbesucherInnen und Mitglieder von UND Generationentandem, sind neugierig auf das Format «Urban Sketching». Und alle haben Lust, das Erlebnis «Zeichnen» und Begegnung zu teilen.

Thun Panorama: Begegnung mit den Urban Sketchers Thun. – Bild: Ayana Germann

Anna-Lisa Schneeberger, Kunstvermittlerin im Kunstmuseum Thun, und Marianne Scheuter von UND Generationentandem freuen sich über die mehr als zwanzig TeilnehmerInnen – der jüngste Künstler ist grad mal fünf Jahre alt, die älteste Dame wohl um die achtzig und auch viele Junge sind heute mit dabei. Wer Lust hat, kann sich im und rund ums Thun Panorama zeichnerisch dem aktuellen Magazin-Thema «VORgestern und ÜBERmorgen» annähern – die Umgebung im Park und das Gelände der alten Gärtnerei Schadau bieten genügend Inspiration.

Urban Sketching ist Zeichenjournalismus

Beat Huss und Therese von Gunten von den Urban Sketchers Thun geben den Neulingen eine kleine Einführung, Tipps zum Starten und lassen uns in ihre Skizzenbücher schauen. Unterdessen wandern die «alten Hasen» bereits los auf der Suche nach reizvollen Motiven.

Das Skizzenbuch: Beat Huss weckt die Lust am Zeichnen. – Bild: Ayana Germann

Einfach gesagt, ist Urban Sketching ein «Skizzieren vor Ort». Ähnlich wie Maler im 19. Jahrhundert ihren Schaffensort nach draussen verlegten, finden sich heute an vielen Flecken der Erde kleine bis grosse Gruppen begeisterter ZeichnerInnen zusammen, um ihren Alltag und ihre Reisen zu dokumentieren.

2007 begann der amerikanische Journalist Gabriel Campanario, seine Reportagen mit Skizzen zu ergänzen. Er prägte dafür den Begriff «Urban Sketching» oder kurz USK und hielt im sogenannten «Manifest» die Grundregeln fest. Urban Sketchers sehen sich als eine Art visuelle Journalisten, die aufzeichnen, was sie in ihrer Umgebung oder auch auf Reisen wahrnehmen. Sie lassen sich mit allen Sinnen auf den Ort ein, an dem sie sich befinden, und studieren die Details ihrer Umgebung – es ist eine Gegenbewegung zum schnellen Einfangen von Bildern mittels Smartphone. Jedes Bild ist mit Gefühlen, mit Gerüchen, Geräuschen und Erinnerungen verbunden, erzählt eine persönliche Geschichte.

Und wenn ich gar nicht zeichnen kann?

Aber nein, antwortet Beat Huss, es geht nicht um realitätsgetreuen Perfektionismus, sondern um die Darstellung der Umgebung, wie ich sie sehe. Auch in der Zeichen- oder Maltechnik ist alles möglich – vom Bleistift über Fineliner, Aquarellfarben, Farbstifte oder Gouache bis hin zum digitalen Skizzieren auf dem Tablet Die entstandenen Werke werden beim gemeinsamen Zeichnen in der Gruppe und danach weltweit auf sozialen Plattformen geteilt. Unterdessen gibt es auch eine schweizerische Vereinigung mit vielen regionalen Gruppen, die sich regelmässig treffen. Neue Kontakte werden geknüpft, Erfahrungen über Maltechniken ausgetauscht, bestärkendes Feedback gegeben. Und am wichtigsten: Spass, Gespräche und gegenseitige Motivation kommen auch bei den ThunerInnen nie zu kurz!

Los geht’s: Therese von Gunten gibt Tipps für einen gelingenden Start. – Bild: Ayana Germann

Therese von Gunten ermutigt die Neulinge. Es sind keine Vorkenntnisse erforderlich! Zeichnen und Skizzieren kann jede und jeder, es braucht nur Stift und Papier! Dabei dient das Zeichnen vor allem dazu, genau zu beobachten – das Sehen zu üben. In der Bildfindung gibt es unzählige Möglichkeiten – ob frei gekritzelt, wild skizziert oder präzis gezeichnet, dein Stil ist gefragt. Es kann auch ausprobiert und experimentiert werden. Grundregel – wir zeichnen in unserer eigenen Technik, was uns ins Auge springt.

Material und Anregungen liegen auf einem kleinen Tisch bereit und Klappstühle gibt es im Museum. So ausgerüstet, stellen sich die TeilnehmerInnen mehr oder weniger zügig der für Manche ungewohnten Herausforderung.

Anregung und Ausrüstung: Es kann losgehen. – Bild: Ayana Germann

Die MalerInnen sind überall im Park oder in der alten Schadaugärtnerei anzutreffen. Einzeln, zu Zweit, in kleinen Gruppen. Konzentriert setzen sie sich mit ihrem Motiv auseinander oder tauschen sich schon während des Zeichnens aus.

Momentaufnahme: Hochkonzentriert ins Werk versunken. – Bild: Ayana Germann

Überraschend viele junge Menschen sind beim heutigen Anlass mit dabei. Sie kennen das Urban Sketching und vor allem diesen wichtigen Teil des gemeinsamen Zeichnens und des Austauschs nicht. Obwohl viele von ihnen zuhause und als Ausgleich zur Kopfarbeit in der Schule oft zeichnen, weckt das Angebot im Schadaupark das Interesse an dieser Form des gemeinsamen Zeichnens. Manche sind von all den Fotos auf den sozialen Plattformen übersättigt und freuen sich am sehr Individuellen, das in diesem Rahmen möglich wird. Sie tauschen sich rege aus, ermutigen sich, und parallel zum Zeichnen wird gewitzelt und gelacht.

Kreative Gruppe: Bei den Jungen geht es fröhlich locker zu. – Bild: Therese von Gunten

In diesem Augenblick, in diesen zwei Stunden schaffen die Menschen mit ihrer Präsenz, der blaue Himmel und das leuchtende Herbstlaub eine wunderbare Atmosphäre. Es entsteht ein gemeinsamer Kunstraum, eine gemeinsame Energie. Wenn sich Kunst und Menschen zeichnend treffen, entsteht echte Begegnung.

Motiv gefunden: und selber zum Motiv werden. – Bild: Ayana Germann

Kunst, schöpferisches Tun ist universell und verbindet. Spontan schliessen sich drei ParkbesucherInnen der Gruppe an, holen Material und beginnen zu zeichnen. Der Auftritt der Urban Sketchers im offenen Raum inspiriert oft Menschen, die seit der Schulzeit nicht mehr gezeichnet haben, sich ein längst vergessenes Vergnügen zu gönnen.

Inspirierende Herbstfarben: Maltechnik und Motiv frei wählbar. – Bild: Ayana Germann

Eine Ausstellung der besonderen Art

Am Ende jedes Treffens zeigen Urban Sketchers traditionellerweise ihre Zeichnungen und laden sie anschliessend auf eine soziale Plattform hoch. Die Thuner Gruppe bewegt sich auf Instagram und pflegt einen gemeinsamen Chat, wo auch die nächsten Treffen angekündigt werden.

Werkbetrachtung: So viel Gelungenes, so viel Inspiration. – Bild: Ayana Germann

Bei der Präsentationsrunde wird das gemeinsame Erlebnis geteilt. Gewertet wird nicht. Hier wird nachgefragt, miteinander gelernt, und die gegenseitige Unterstützung und Ermutigung haben einen hohen Stellenwert. Wer Zeit und Lust hat, trifft sich nach der Verabschiedung zu einem Abschlusstrunk in Freds Garten.

Austausch in Freds Garten: Den Nachmittag gemütlich ausklingen lassen: – Bild: Patrick Richard

Lust auf mehr?

Bei der Verabschiedung durch Anna-Lisa Schneeberger sind sich alle TeilnehmerInnen einig – das gegenseitige Kennenlernen und gemeinsame Zeichnen waren wunderbar und haben Lust auf mehr geweckt.

Die Urban Sketchers Thun treffen sich regelmässig alle drei Wochen, jeweils am Sonntagvormittag zum gemeinsamen Zeichnen. Gäste sind herzlich willkommen. Das nächste Zeichnen findet am 21. November statt. Mehr dazu hier.

Auch das Kunstmuseum Thun bietet am 23. Januar 2022 anlässlich der Ausstellung «Cantonale Berne Jura 2021» im Januar wieder ein offenes Zeichnen im Museum für alle Interessierten an.

Beitrag von:

Marianne Scheuter (71)

Kreativ, neugierig, weltoffen – den Menschen, der Natur und der Kunst zugewandt – vielseitig unterwegs.

Ayana Germann (20)

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